Body-Shaming

Body-Shaming, Body-Positivity, Körperideale
Mit dem Wort „Bodyshaming“ hat man dem Kind endlich einen Namen gegeben. Hier meine Gedanken und Erfahrungen dazu.

Was ist Body-Shaming?

Grob gesagt, das Herabwürdigen, Kritisieren und Beleidigen des eigenen oder anderer Körper. ZU dünn, ZU dick, ZU VIEL Cellulite, ZU große Ohren. Diese Aufzählung könnte unendlich fortgesetzt werden.

Zum einen tun wir uns das selbst an. Wir machen uns innerlich fertig, weil wir nicht so aussehen, wie das Schönheitsideal und unsere eigene Empfindung von Ästhetik es uns vorschreiben. Zum anderen wird über Körper gelästert. Viel zu oft werden die Personen auch beleidigt. So sinkt das Selbstwertgefühl und die Selbstzweifel steigen.

Meine Erfahrungen mit Body-Shaming

Ich war immer „normalgewichtig“. Viele Jahre hatte ich sogar rechnerisch Idealgewicht (bitte nicht verwechseln mit Wohlfühlgewicht). Dennoch hatte ich definitiv noch nie ein gutes Verhältnis zu meinem Körper. Es wird besser, weil ich daran arbeite, aber „gut“ ist auch heute noch anders.

Wo kommt das her?
Ganz einfach: von Vergleichen und Bewertungen. Im Kindes- und gerade im Jugendalter habe ich durch Viva und MTV einen Haufen Frauenkörper gesehen, die sehr schlank waren. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, jeder mochte sie. Ergo dachte ich, ich muss superschlank sein, um gemocht zu werden. In meinen Augen war ich von diesem Ziel weit entfernt und das verstärkte sich mit nur einer Aussage.
* * *

Kommentare jeglicher Art

Damals war ich 14 oder 15 und ein „Freund“ sagte vor meiner Clique zu mir: „Du hast nen ganz schön breiten Hintern.“ Rumms, der hatte gesessen. Als meine damals beste Freundin das auch noch bestätigte, war es ganz aus. Ich rannte heulend nach Hause. Kleine Anmerkung: Mein Hüftumfang erreichte damals noch keine 90 cm. Dieser Spruch hatte sich eingebrannt und seitdem habe ich für mich einen dicken Hintern. Selbst über 20 Jahre später.

Im Laufe der Jahre kam immer mal wieder ein Kommentar zu meinem Aussehen. Auch von Fremden. Zum Beispiel, und das ist echt leicht irritierend, ich hätte einen, sorry, „geilen Arsch“. Im Vorbeigehen hat die Person das einfach so rausgehauen. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Klar, über Komplimente freut man sich, aber war das eins? Eher nicht. Es war eher sexuelle Belästigung. Tatsächlich hatte ich in diesem Moment auch etwas Angst.

Mir wurde auch mal gesagt, ich könne Model werden. Mein erster Gedanke dazu war, nö, ich bin ZU klein und ZU dick. Und wirklich, hätte ich mich damals irgendwo aufnehmen lassen wollen, hätte ich noch mindestens 4 Kilo von meinem Idealgewicht abnehmen müssen (mal abgesehen von der Größe). Ganz schön krass.

Im Gegensatz dazu meinte mein Ex-Freund zu mir, ich hätte ziemlich zugenommen, nachdem ich nach vorheriger Abnahme (siehe nächstes Kapitel) wieder auf dem Gewicht war, mit dem er mich kennengelernt hat. (Ich glaube, ich kann deine Augen rollen hören :D)

Yeah, endlich. Fast Untergewicht

Ja, auch das gab es. Aber ich hatte mich nicht absichtlich runtergehungert. Ich hatte mir den Kiefer gebrochen und dadurch einfach nicht mehr richtig essen können. So kam es, dass ich plötzlich bei einem BMI von 19 lag (finde den BMI allerdings nicht zwingend aussagekräftig). Und jetzt hätte ich doch voll happy sein müssen, oder? Leider nein. Klar, gewisse Sachen waren gut, aber mein ach so verhasster Hintern war auf einmal weg. Flach und irgendwie eckig. Was war das denn jetzt für ein Mist. Endlich kam ich gewichtstechnisch dahin, wo ich hinwollte, damit ich mich endlich wohl fühle und dann sowas. Hört das Body-Shaming denn nie auf?
* * *

Mein Körper und ich heute

Ganz taufrisch bin ich nicht mehr. Ich habe 41 Jahre auf dieser Welt hinter mir und in der Zeit einiges erlebt. Ich habe kaum Sport gemacht, mich ungesund ernährt, geraucht und auch Alkohol getrunken. Ich habe 2 Kinder bekommen und meine Gene sind irgendwie nicht zwingend die Besten. Und das zeigt sich jetzt alles.
BMI-technisch gesehen liege ich weiterhin im normalgewichtigen Bereich. Und ich versuche meinen Körper anzunehmen, wie er ist. Aber das ist schwer. Die Oberschenkel sind noch immer zu dick, der Bauch sowieso, die Brüste hängen, die Unterarme winken, Cellulite überschwemmt meinen Körper und täglich kommen neue Falten hinzu (subjektiv gesehen, mein Mann z.B. stimmt mir da nicht zu).
Und weiterhin sehe ich Frauen gleichen Alters, die in meiner Auffassung (und vielleicht auch objektiv) um so vieles besser aussehen als ich. Und ich schäme mich. Ich schäme mich für alles, was ich meinem Körper angetan habe. Schäme mich, nicht disziplinierter gewesen zu sein. Und dann verurteile ich mich für mein Body-Shaming. Schreie mich innerlich an, ich solle mich doch so annehmen wie ich bin.

Warum ein Beitrag über Body-Shaming?

Auslöser war ein Wochenende mit Freunden. Bis auf meinen Mann und ich waren alle mehr oder weniger Mehrgewichtig. Und so waren wir es, die sich Kommentare über unsere Körper anhören durften. Da ich mich in den letzten Monaten ausführlicher mit den Themen Diversity, Body-Positivity und Bodyshaming beschäftigt habe, fiel mir das zum ersten mal so richtig auf. Früher hätte ich das einfach abgetan, aber diesmal hörte ich in mich rein und bemerkte, was es unterbewusst mit mir machte. Trotz des Wissens, dass sie mich und meinen Mann als Person mögen, fühlte ich mich teilweise ausgeschlossen. Wir gehörten gefühlt nicht 100 %ig dazu.

Ich bin tatsächlich dankbar für diese Erfahrung, konnte ich sie doch im geschützten Rahmen machen. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen sich täglich Kommentare über ihr Aussehen anhören müssen und damit ja auch auf dieses reduziert werden, dann wird mir übel.

Wie viele Menschen hadern mit ihrem Aussehen? Wollen schlanker oder dicker sein. Volleres Haar, kleinere Nase, größere Brüste, mehr Muskeln und, und, und.
Und warum das alles? Weil uns jeden Tag in den Medien gezeigt wird, wie wir auszusehen haben, um erfolgreich und beliebt zu sein. Aber das sind nur Bilder und Momentaufnahmen. Wer sagt uns, dass das Model nicht jeden Abend vor Hunger weint. Wer sagt uns, dass die Influencer sich nicht selbst enormen Druck machen, nur um vermeintlich perfekt zu sein. Und wer sagt uns, dass die Person, die so strahlend und wunderschön in die Kamera lächelt nicht verzweifelt ist und kurz davor, sich das Leben zu nehmen.
* * *

Was tun gegen Body-Shaming?

Ich gehörte zu den Menschen, die es zwar nie offen aussprachen, aber doch dachten, im Vergleich zu ihr oder ihr schneide ich besser ab. Durch das Runtermachen, und wenn auch „nur“ gedanklich, habe ich mich besser gefühlt.
Irgendwann jedoch wechselte ich die Perspektive und fragte mich, wie ich mich fühlen würde. Ich möchte weder be- noch vorverurteilt werden, nur aufgrund meines Aussehens. (Genau sowas hat mir 2 Jobs verschafft, Sch*** auf Qualifikation 🙄). Ich möchte, dass man mich so sein lässt, wie ich bin. Dass mir nicht vorgeschrieben wird, wie ich auszusehen habe. Möchte, trotz Cellulite und Schwabbelbauch, Bikinis tragen können, ohne abschätzig beobachtet oder gar beleidigt zu werden.

Und genau darin liegt die Lösung. Werde dir deiner Bewertungen bewusst. Denn diese Bewertungen sorgen für Vergleiche. Wenn du dann dabei in deinen Augen nicht so gut abschneidest, wird dein Body-Shaming nur noch stärker. Lass deinen Körper sein wie er ist und den der anderen auch. Das heißt natürlich nicht, dass du ihn für dich nicht optimieren kannst, wenn du magst. Und konzentriere dich auf die Dinge, die du an dir magst. Äußerlich UND innerlich. Zum Beispiel mag ich an mir meine Nase und meine Ohren und meine freundliche Art.

An alle „Täter“, bewusst oder unbewusst: Hört auf! Niemand hat das Recht einen anderen Körper zu beurteilen, zu kommentieren oder gar zu beleidigen. Er mag euch nicht gefallen, aber haltet eure Klappe, denn ihr seid bestimmt auch nicht perfekt.

STOP BODY-SHAMING!

Für mich habe ich beschlossen, weiter an mir und meiner eigenen Annahme zu arbeiten. Es muss ja nicht gleich Body-Positivity sein. Body-Neutrality reicht auch erstmal. Mittlerweile gibt es auch genug Vorbilder, die vermeintlich nicht den perfekten Körper haben, aber trotzdem oder gerade deswegen zu ihm und sich selbst stehen. Diese Menschen bewundere ich zutiefst und es sind genau solche Menschen, die dafür sorgen, dass sich das Bild langsam, aber stetig verändert und wir die Verschiedenheit von Körpern endlich sehen, begreifen und hoffentlich anerkennen können. Danke dafür.
Jetzt hast du bis hierher gelesen. Was sind deine Gedanken zum Thema? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreib mir gern 🙂
♥ Und immer dran denken: Du bist wundervoll und es ist schön, dass es dich gibt! ♥
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