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Mein Leben – Jahre des Kampfes -Teil 1-

Jahre des Kampfes

Von den Anfängen habe ich dir in -Meine Depression – der Anfang- schon erzählt. Wie ging es weiter? Was passierte noch? Hier die Kurzfassung Teil 1.

Endlich weg von zu Hause

1998 bin ich von Berlin zu meiner „kleinen“ Schwester auf ein Dorf gezogen, um meine Ausbildung zu machen. Es tat weh, „mein“ geliebtes Berlin, meine Freunde und meine Ma zu verlassen, aber ich dachte, ich würde damit den Grundstein für eine gute Zukunft legen. Dachte, ich könnte mich selbst finden. Ja, ich dachte, es wäre der Beginn meines neuen Lebens. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, wie naiv ich war?

Versuch der Eingewöhnung

Schon als ich das Angebot zur Ausbildung erhielt und damit das Angebot, diese Zeit über bei ihr und ihrer Familie zu wohnen, fühlte ich mich seitens meiner Schwester nicht wirklich erwünscht.

Warum habe ich trotzdem angenommen? Weil es um meine Zukunft ging. „Du packst das schon.“ dachte ich. Und ja, ich habe es geschafft. Doch leicht war diese Zeit nicht.

Natürlich habe ich versucht mich anzupassen. Habe artig jeden im Dorf gegrüßt, egal ob ich ihn kannte oder nicht (Mach das mal so in Berlin und alle halten dich für verrückt 😉). Ich habe beim Terrassen- und Gartenbau am neugebauten Haus mit angepackt. Habe versucht, mich von meiner besten Seite zu zeigen und dennoch unsichtbar und nicht störend zu sein. Oft habe ich gefragt, ob ich ihr irgendwie im Haushalt helfen kann. Aber es hat alles nicht gereicht. Letzten Endes hat sie mir vorgeworfen, nicht selbst gesehen zu haben, wo der „Dreck“ ist. Nicht von allein geputzt, sondern immer gefragt zu haben. Und dass erst, nachdem ich nach den 3 Jahren schon wieder ausgezogen war.

In den letzten Jahren ist mir bewusst geworden, dass ich es ihr nie recht machen konnte. Und heute ist das für mich ok. Damals aber habe ich es mit allen Mitteln versucht, habe gekämpft und bin regelmäßig gescheitert.

Anschluss finden

Da war ich nun. 17 Jahre jung und quasi allein auf einem Dorf, aus dem man nicht so einfach rauskam (Dörfler kennen die bescheidenen Öffi-Verbindungen). Jugendliche in meinem Alter hatte ich noch nicht wirklich entdeckt. Die Einzigen, die annähernd in meinem Alter waren, waren die in meiner Berufsschulklasse. Und der Typ im Golf.

Mr. Golf war ganz schnuckelig. Er fuhr eines Tages am Haus meiner Schwester vorbei und ich war zufällig gerade am Fenster. Gesehen, gelächelt und weg war er wieder. Ab diesem Tag im September fuhr er häufiger vorbei und ich war öfter am Fenster als man es sonst so macht 😉. Wir haben uns zugewinkt und weiter gelächelt, aber nicht miteinander geredet. Immer nur der kurze Moment des Vorbeifahrens. Aber das war oft mein Highlight des Tages. Irgendwann, dachte ich, werden wir uns auch mal so begegnen, dass wir miteinander reden können.

Naives Großstadtkind und das Dorffest

Es war am 11.11.1998. Ich war also gerade mal 2 ½ Monate dort. Karnevalsauftakt mit Feier im Gemeindesaal. Für meine Schwester und meinen Schwager wohl eine „Pflichtveranstaltung“. Und ich durfte auch mit. Endlich würde ich auch mal Jugendliche sehen und vielleicht Kontakte knüpfen. Dann wäre ich nicht mehr so allein.

Im Gemeindesaal angekommen merkte ich recht schnell, dass ich so etwas wie ein Alien dort war. Man schaute genau hin, wen meine Schwester und mein Schwager da mitbrachten. Und man war direkt der Meinung, ich sei mit dem Bekannten der beiden, der uns begleitete, liiert. Nun gut, das konnte noch relativ schnell klargestellt werden.

Ein anderes Problem war das Tanzen. Ich tanzte und tanze unglaublich gern. Aber dort tanzten alle Discofox. Als Großstadt-Disco-Tussi hatte ich das nicht drauf und war etwas überfordert. Allerdings sah ich 2 Mädels die miteinander tanzten und als wir uns zufällig auf der Damentoilette trafen, habe ich sie angesprochen und die beiden haben mir die Grundschritte gezeigt. Jetzt war ich bereit :D.

Jungs

Als wir im Gemeindesaal angekommen waren, schaute ich mich immer wieder um, in der Hoffnung, Mr. Golf zu entdecken. Er war nicht da. Also behielt ich die Tür so gut es ging im Blick. Und während ich wartete, sprach mich Mr. I (=Idiot) an (sorry, aber anders kann ich ihn nicht betiteln). Er war nett und wollte mit mir tanzen. OK, kein Problem, hatte ich ja gerade gelernt. Aber ich sagte ihm direkt, dass ich auf jemanden warte. Wir tanzten und unterhielten uns. Dann wollte er mit mir an die Bar und was trinken. OK, aber ich betonte immer wieder, ich würde auf jemanden warten. Und jeder Versuch, etwas Abstand zu ihm zu gewinnen, war erfolglos. Rückblickend habe ich das Gefühl, er dachte ab dem Moment, wo ich „ja“ zum ersten Tanz ja gesagt habe, ich gehöre ihm. Und genau das führte dann zu Problemen.

Meine Hoffnung bewahrheitete sich und später am Abend tauchte Mr. Golf auf. Er kam auch mehr oder weniger direkt zu mir und wir tanzten und redeten und hatten doch ne Menge Spaß. Es wurde später und irgendwann meinte meine Schwester, ich solle nun langsam nach Hause. Schade, aber ok. Und ganz nüchtern war ich ja auch nicht mehr.

Der Heimweg

Und dann passierte etwas, dazu reichte bis zu diesem Abend meine Vorstellungskraft nicht.

Mr. Golf wollte mich natürlich, ganz gentlemanlike, nach Hause bringen. Draußen nahm er meine Hand, wir schlugen den Heimweg ein und unterhielten uns. Noch nicht weit gekommen, hörte ich plötzlich von der anderen Straßenseite ein „Ey, nimm die Finger von der Frau!“. Verwirrt schaute ich mich um und sah Mr. I mit seinem Kumpel. Zufall? Ich glaube nicht. Er brüllte und wetterte weiter und ich stand da wie angewurzelt und wusste nicht, was ich tun soll. Wie aus dem Nichts tauchte meine Schwester auf. Sie versuchte die Situation zu deeskalieren und redete, auch lauter, auf Mr. I ein. Und mich schrie sie an, ich solle nach Hause gehen. Nach der dritten oder vierten Aufforderung ging ich. Allein. Es war das letzte Mal, dass ich Mr. Golf gesehen habe. Weder bin ich ihm nochmal über den Weg gelaufen, noch ist er je wieder an meinem Fenster vorbeigefahren. Verständlicherweise. Denn wie ich noch erfahren haben, haben Mr. I und sein Kumpel ihn zusammengeschlagen. Wegen mir. Nur, weil ich es mit Ehrlichkeit versucht habe und nett war.  In meinen Augen hatte ich ihm nie Hoffnung gemacht, dass da mehr sein könnte als tanzen und reden. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn ich Mr. I direkt eine Abfuhr erteilt hätte. Wer weiß.

Scham und Einsamkeit

Natürlich habe ich mich nach diesem Abend kaum noch auf die Straßen des Dorfes getraut. Mir war das alles so unangenehm, so peinlich. Also gab es, wie auch die ersten 2 Monate, nur noch Arbeit, Berufsschule und verkriechen in meinem Zimmer. Ab und zu bin ich am Feld spazieren gegangen, denn da war nie jemand. Da musste ich keine Angst haben jemandem zu begegnen. Und die nächsten 3 Jahre sollte mein Dorfleben genauso aussehen. Einsam und allein. Denn weder mit meiner Schwester noch mit irgendwem anders konnte ich reden. Zum Glück gab es zu der Zeit noch die Wochenenden, an denen ich nach Hause gefahren bin. Sie haben mir trotz der Umstände zu Hause, Kraft gegeben, meine Ausbildung durchzuziehen.

Bis zur nächsten Wendung

Nach diesem Vorfall war ich mehr schlecht als recht mit dem Sohn der ehemaligen Nachbarn meiner Schwester zusammen. Nur kurz und Beziehung kann man dazu eigentlich nicht sagen.

In der Zeit um meinen 18ten Geburtstag war ich mit einem aus meiner Berufsschulklasse liiert. Also so irgendwie. Wir sahen uns in der Berufsschule und Samstag abends. Da lernte ich auch seine Freunde kennen. Und zusammen verbrachten wir dann den Abend in der Disco. Aber ich war vorsichtig. Sehr vorsichtig. Nur kein falsches Wort, kein falscher Blick. Ab besten einfach lächeln und die Klappe halten. Dennoch habe ich mich verhältnismäßig wohl mit diesen Menschen gefühlt und ich habe sie gemocht. Und als mein Freund dann mit mir Schluss machte, standen seine Freunde am Samstag bei mir vor der Tür und fragten, ob ich mit will. Ich war echt gerührt und hab mich wahnsinnig gefreut. Keiner konnte wissen, dass das der Anfang des nächsten Kampfes war …
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