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Mein Leben – Jahre des Kampfes -Teil 2-

Jahre des Kampfes
Während meiner Ausbildung lernte ich den Vater meiner Kinder kennen. Dass diese Beziehung dazu führte, dass ich mich selbst komplett verlor, konnte ja keiner ahnen.

Der schicksalhafte Samstagabend

Wie in Teil 1 schon erwähnt, nahmen mich die Freunde meines Ex-Freundes mit in die Disco. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, ob es der erste Abend war oder ein weiterer. Ich weiß nur noch, dass ich an einem Abend IHN sah.

Wir waren auf der Tanzfläche und auf einem Podium tanzte ein junger Mann, als ob es kein morgen gäbe. Unsere Blicke trafen sich, wir lächelten uns an. Irgendwann sagte ich zu einem meiner Begleiter „Den kriege ich.“. Ich wollte ihn eigentlich gar nicht. Wollte nur mein Ego aufpolieren, nachdem ich ja gerade verlassen worden bin. Mir selbst beweisen, dass ich noch Chancen auf dem Markt habe.

Und die hatte ich. An besagtem Abend war nicht mehr als lächeln. Aber in den darauffolgenden entwickelte sich etwas, sodass ich ihm am 4 oder 5 Abend ein Bussi gab und dann einfach abgehauen bin. Was war ich doch unsicher.

Danach telefonierten wir täglich und 2 Wochen später bin ich zum ersten Mal zu ihm gefahren. Der Beginn unserer Wochenendbeziehung.

Ignoriertes Bauchgefühl

Ich sehnte mich nach Liebe, nach Zuwendung, nach Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Ich wollte glücklich und nicht mehr so allein sein. Am ersten Abend waren es 3 Kleinigkeiten, die dafür sorgten, dass ich eigentlich sofort wieder nach Hause wollte. Aber ich habe sie ignoriert. Waren ja nur unwesentliche Dinge. Außerdem war ich schon ziemlich verknallt. Denn das, was er mir an Aufmerksamkeit zukommen ließ, sog ich auf wie ein Schwamm.

Er verwöhnte mich. Kaufte mir Dinge, trug mich auf Händen. Er hatte mich in kürzester Zeit um den Finger gewickelt. Und so störte es mich zwar, dass er in der Disco, die wir nun gemeinsam jeden Samstag aufsuchten, nicht wirklich zu mir stand, aber ich habe versucht, das einfach zu verdrängen (was nicht funktionierte).

Eigentlich fühlte ich mich von Anfang an nicht sonderlich wohl in dieser Beziehung. Aber ich war schon gefangen. Ich war süchtig nach den netten Dingen, die er für mich tat. Nach der Aufmerksamkeit. Nach seiner „Liebe“.

Streit von Anfang an

Ja, es gab seit Beginn Probleme. Meist ging es um ihn und mich in der Öffentlichkeit. Gerade in der Disco hatte ich immer das Gefühl, keiner darf mitbekommen, dass es mich an seiner Seite gibt. Es gab ja auch noch so viele andere Optionen, die ich ihm dann zerstört hätte. Aber wehe, ich habe ihm gesagt, wie ich fühle. Da wurde er sauer, meinte sinngemäß ich würde spinnen und solle mich nicht so anstellen.

Bin ich echt so kleinlich? Hab ich übertrieben reagiert? Vielleicht.

Aber: Dein Freund lässt deine Hand los, sobald ihr die Disco betretet. Er schaut dich kaum an und küssen ist ein absolutes No-Go. Und dann verschwindet er plötzlich. Ist in der gesamten Disco ist er nicht mehr aufzufinden. Und eine bestimmte andere, weibliche Person auch nicht. Sie sind einfach weg. Du schaust dich um. Läufst mehrfach die gesamten Räumlichkeiten ab und kannst weder sie noch ihn finden. Irgendwann, eine gefühlte Ewigkeit später, entdeckst du beide in einem Gang. Sie unterhalten sich. Du gehst zu ihm und fragst (leise und lieb), wo er war. Antwort: Ich war die ganze Zeit hier.

Ähm … ich bin da bestimmt 3 oder 4 Mal vorbei gelaufen und er war NICHT da. Das sagte ich ihm und schon war ich wieder an allem schuld. Natürlich war er da, ich hätte nur nicht richtig geguckt. Und überhaupt, was suche ich ihn? Kann er sich nicht einmal in Ruhe und allein in der Disco bewegen? Was soll der Aufstand? Ich durfte mir einiges anhören und meine Argumentationen und Befürchtungen wurden alle übergangen. Was ich zu sagen hatte, wie ich mich fühlte war vollkommen uninteressant. Und ich, ich zweifelte extrem an mir. Hab ich mir zu viel rausgenommen? Hab ich mit meiner einfachen Frage schon überreagiert? Bin ich echt so ein schlechter Mensch?

An diesem Abend, so meinte er später zu mir, wollte er mich sogar von nem Bekannten nach Hause fahren lassen. Hätte er es nur getan …

Zusammenzug

Wir rauften uns wieder zusammen. Ich war so blind vor Liebe, dass ich ihm alles verziehen hab. Jedes verletzende Verhalten, jedes kränkende Wort. War er doch mein Anker. Mein Lichtblick zwischen den Wochentagen voller Einsamkeit. Und er konnte ja auch sooo lieb und aufmerksam sein.

So vergingen die letzten 2 Jahre meiner Ausbildung. Fast jedes Wochenende war ich bei ihm. Mal mit mehr, mal mit weniger Streit.

Gegen Ende meiner Ausbildungszeit verlor er seinen Job, fand aber recht schnell einen Neuen. Allerdings in Hannover. Wir beschlossen also, wenn ich fertig war, zusammen nach Hannover zu ziehen. Das war 2001.

Ich hatte nichts. Nur ein paar persönliche Dinge, die ich mit bei meiner Schwester hatte. Und er? Er hatte alles in seiner alten Wohnung gelassen. Auch das war so ein Punkt, an dem ich gesehen habe, wie er tickt und es einfach von mir geschoben habe (näher möchte ich darauf nicht eingehen). Und so zogen wir mit Nichts in die neue Wohnung. Ich war 20 und mir hat das tatsächlich überhaupt nichts ausgemacht. Die erste eigene Wohnung. Das war das, was zählte. Den Rest haben wir dann nach und nach besorgt.

Arbeitslos

Nach der Ausbildung bin ich übernommen worden. Hatte also einen halbwegs sicheren Arbeitsplatz. Und diesen habe ich gekündigt, um mit meinem Freund nach Hannover zu ziehen. Dort angekommen hieß es dann erstmal Job suchen. Und innerhalb von 3 Tagen und mit der Hilfe einer Bekannten hatte ich einen Neuen. Nicht das, was ich mir wünschte, aber ich konnte Geld verdienen.

Kurz darauf kauften wir (also eigentlich ich) ein Auto, weil mein Freund das für seinen Job brauchte. Diesen hat er allerdings kurze Zeit später verloren und damit begannen Sorgen, die ich nie wieder haben wollte.

Das Auto behielten wir. Er erzählte mir immer, die Firma hätte nur kurzfristig Probleme und er könne da bald wieder anfangen. Und ich habe ihm geglaubt.

Nun war ich Alleinverdiener. Ich verdiente nicht schlecht, aber 2 Leute ernähren, Miete und Auto bezahlen, das war schon ne knappe Geschichte. Also lag ich ihm damit in den Ohren, er solle doch Arbeitslosengeld beantragen. Das hätte er gemacht, meinte er, aber seine Unterlagen seien verschollen, weil die von A nach B geschickt werden mussten. Daher dauert das. Und ich habe ihm geglaubt.

Er meinte, er bräuchte ein Konto und kann selbst (Gründe hab ich vergessen) keines eröffnen. Ich habe ihm geglaubt und gab ihm Zugriff auf mein Altes.

Naiv, naiv, naiv. Und während ich das so schreibe, klatscht meine Hand immer wieder gegen meine Stirn. Aber ich war jung und verliebt und ich glaubte ihm jedes Wort, weil ich es glauben wollte.

Warnungen und verlorene Freunde

Es gab viele Menschen, bei denen ich merkte, dass sie meine Beziehung bzw. den Mann an meiner Seite nicht guthießen. Einige haben mich auch direkt darauf angesprochen und versucht, mir die Augen zu öffnen. Doch ich wollte das alles nicht hören. Verteidigte ihn und unsere Beziehung. Und vergraulte damit einen Freund nach dem anderen bzw. ließ sie vergraulen.

Frauen gehören an die Kette. Die Kette gehört in die Küche. Die Küche gehört in den Keller und der Keller gehört unter Wasser. Kennst du den Spruch? Diesen und andere frauenfeindliche Sprüche durfte ich mir jeden Tag anhören. Und habe brav immer drüber gelacht. Aber irgendwann kann man nicht mehr darüber lachen. Irgendwann tut es weh, weil man nichts anderes hört. Weil man anfängt, es zu glauben und damit überhaupt nicht glücklich ist. Freundinnen von mir haben sich das nicht so lange bieten lassen und den Kontakt zu mir abgebrochen. Wegen ihm, der Sprüche und weil ich nichts dagegen unternommen habe (ich habe es durchaus versucht, aber mit null Erfolg).

Auch die Freundschaft zu einem langjährigen, guten Freund ging wegen meines Ex kaputt. Er hatte mich gewarnt. Hat mir quasi genau aufgezählt, was nicht passt und was für ein Typ Mensch da an meiner Seite ist. Und ich? Ich wurde böse. Verteidigte meinen „Partner“ und warf ihm vor, er sei nicht besser. In diesem Moment habe ich ihn verloren. Einen Menschen, der mir jahrelang sehr wichtig war. Den ich geschätzt, respektiert und geliebt habe. Der wie ein Bruder für mich war. Zwar haben wir heute wieder sporadisch Kontakt, aber es wird nie mehr so sein wie früher.

Über eine andere Freundin habe ich mich mit meinem Ex lustig gemacht. Warum? Na, damit er mich weiterhin liebt. Damit ich ihn nicht verliere. Das war auch das Aus für diese Freundschaft. Und das alles passierte innerhalb eines Jahres.

Erneuter Umzug

In Hannover hielt uns nun nicht mehr viel. Freunde hatte ich ja nicht mehr wirklich. Und er immer noch keinen neuen Job. Also nutzen wir die Chance, die mir gegeben wurde und zogen 2002 nach Schleswig-Holstein, damit ich in einer neuen Filiale meiner Firma einen Bereichsleiterposten antreten konnte. Hier sei schon mal gesagt, dass ich dort ganz allein gewesen wäre, hätte ich nicht Kollegen gehabt, die mit den Jahren zu meinen Freunden wurden.
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