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Mein Leben – Jahre des Kampfes -Teil 3-

Jahre des Kampfes
Neue Stadt, neues Glück? Hm, nicht wirklich. Eigentlich wurde alles nur noch komplizierter.

Schleswig-Holstein

Ja, wir sind wegen mir dahin gezogen. Job war verhältnismäßig sicher. Gehalt war höher. Wohnung war klein, aber fein. Fehlte nur noch ein Job für meinen Freund. Natürlich ging ich davon aus, dass er sich bewerben würde. Mitbekommen habe ich allerdings nichts, da ich ja den ganzen Tag arbeiten war. Ich musste also wieder vertrauen.

Mit der Zeit in der neuen Filiale stellte sich heraus, mit wem man besser und mit wem man weniger gut auskam. Ein paar haben die Probezeit nicht überstanden und aus den übrig gebliebenen wurde, zumindest empfinde ich das so, ein gutes Team. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. Wir haben unsere Jobs gemacht und dennoch Spaß haben können.

6 Jahre war ich in dieser Filiale angestellt. 5 Jahre aktiv, das letzte in Elternzeit. In dieser Zeit entwickelten sich echte Freundschaften, die auch heute noch bestehen. Dafür bin ich unendlich dankbar. Meine Mädels haben mir Kraft und Mut gegeben und dafür gesorgt, dass ich, zumindest in dieser Zeit, nicht komplett aufgebe.

Das erste Kind

Ein Kind wollte ich, seit ich 14 war. Zum Glück gab es da noch die Vernunft und ich wartete bis 22.

Schon in Hannover setzte ich die Pille ab. Aber es klappte nicht. Nach dem Umzug und mit dem neuen Posten hätte ich eigentlich wieder verhüten müssen. Hab ich aber nicht. Und so passierte, was passieren musste. Ich wurde schwanger. Für uns ein absolutes Wunschkind. Auch mein Freund hat sich gefreut und sich wirklich süß um mich gekümmert. Da dachte ich tatsächlich, er würde sich ändern. 9 Monate hatte er nun Zeit, sich einen Job zu suchen. Irgendwas hat er in der Zeit auch gearbeitet, aber was das genau war, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich meine kleine Tochter 8 Wochen nach der Geburt allein lassen musste, um wieder zu arbeiten. Denn er war wieder zu Hause.

Ich brachte es nicht übers Herz, Vollzeit weiterzuarbeiten. Die Zeit mit einem so kleinen Wesen ist so schnell vorbei, ein bisschen wollte ich davon auch haben. Also ging ich nur noch Teilzeit arbeiten, was sich natürlich auch auf das Gehalt auswirkte. Knappe Kiste, aber eigentlich ja alles wie immer.

Vor der Arbeit und nach der Arbeit gehörte die Kleine natürlich mir. Leider nicht immer ganz freiwillig. Haushalt, Kind und Job unter einen Hut zu bringen war nicht einfach. Und eigentlich war ich zu dieser Zeit schon alleinerziehend. Nur mit dem Glück, einen kostenlosen Babysitter zu haben, wenn ich arbeiten war.

Was er machte, wenn er doch den ganzen Tag zu Hause war? Er saß die meiste Zeit vor seinem PC.

Das zweite Kind

Die nächsten 2 1/2 Jahre vergingen genau so. Da das Geld immer knapper wurde, verzichtete ich irgendwann darauf, mir die Pille zu holen. War eigentlich eh nicht mehr so wirklich nötig. Der große „Fehler“ war nur, dass man bei den wenigen Ausnahmen nicht auf andere Verhütungsmittel gesetzt hat. Aber auch da waren mein Wunschdenken und meine Naivität wieder größer. Denn ich wollte noch ein Geschwisterchen für meine Kleine. Selbst er sagte damals noch, wenn es passiert, passierts. So ließ die nächste Schwangerschaft nicht lange auf sich warten.

Natürlich ging ich auch diese Schwangerschaft weiter arbeiten. Ein Kleinkind zu Hause, ein Baby im Bauch und genau genommen weiterhin keinen Mann an meiner Seite. Denn er stellte zwischenzeitlich fest, dass er ja bei meiner Tochter mit schwanger war und jetzt doch endlich mal was tun musste. Und so verabschiedete er sich wann immer er konnte ins Fitnessstudio. Positiv an der Geschichte sei zu erwähnen, dass sich daraus ein 400 €-Job ergab. Allerdings war er dadurch dann noch öfter weg.

Die Geschichte rund um die Geburt meines Sohnes ist eine eigene. Eine Story, die mich heute noch zum Kopfschütteln veranlasst und mir unglaublich weh getan hat. Denn damals, so dachte ich, waren wir noch eine Familie.

Elternzeit

Aus dem 400 €-Job meines Freundes wurde eine Festanstellung. So konnte ich wenigstens nach der Geburt meines Sohnes zu Hause bleiben. Die Belastung des Jobs fiel dadurch weg. Zum Glück. Denn nun war ich ganz allein.

Nachts stand ich natürlich auf (wie auch schon bei meiner Tochter, aber da half er wenigstens noch etwas mit). Morgens, wenn die Kids wach wurden, hab ich mich gekümmert. Er schlief bis kurz vor Schichtbeginn um 10 Uhr. Wenn er dann aufstand, machte er sich fertig und ging zur Arbeit. Zwischen 22 und 23 Uhr kam er wieder nach Hause. Setzte sich noch etwas vor den Rechner und ging dann schlafen. Wenn alles klappte, hat er die Kinder mal am Wochenende gesehen. Aber nur, wenn er da nicht auch arbeiten oder trainieren musste. Meist war er dann auch Samstagabend weg, weil er die Promotion für das Fitnessstudio machen musste. Was ein Stress, als Familienvater jeden Samstagabend ausgehen zu müssen / können / dürfen (?). Und Zeit für seinen Rechner brauchte er ja auch noch.

Ich schreibe das mit einem anderen Verständnis als damals. Sicher hat es mich gestört, aber ich habe sämtliche Verhaltensweisen dahingehend in Schutz genommen und runtergespielt. Schließlich war ich ja nun den ganzen Tag zu Hause und konnte mich um alles kümmern. Dass Hausfrau und Mutter sein ein 24/7-Job ist, dass man eigentlich für nichts anderes mehr Zeit hat, das ist mir gar nicht so bewusst gewesen. Und einmal im Jahr „durfte“ ich ja mit meinen Freundinnen weg gehen.

Ansonsten saß ich jeden Abend allein zu Hause und wenn ich meine Mädels nicht regelmäßig in der Firma besucht hätte, wäre ich wahrscheinlich komplett bekloppt geworden.

Und wieder umziehen

Den Job im Fitnessstudio hatte er 2008 wieder verloren. Erstaunlicherweise fand er relativ schnell einen neuen. In Baden-Württemberg. Also quasi am anderen Ende von Deutschland. Ich arbeitete auch noch nicht wieder, da ich meinen Job komplett aufgegeben hatte, weil Kinderbetreuung und Arbeitszeiten nicht unter einen Hut zu bringen waren. Also stand einem Umzug mal wieder kaum was im Weg. „Nur“ meine Mädels. Und das hat böse weh getan, als ich sie verlassen musste.

Tja, war ich jetzt schon wieder oder immer noch allein? Die erste Zeit pendelte er und war die Woche über in Baden-Württemberg und am Wochenende in bei uns in Schleswig-Holstein. Also mehr oder weniger. Der Rechner brauchte ja weiterhin seine verdiente Aufmerksamkeit.

Umzug 1 von 2

Irgendwann stand dann der erste von zwei Umzügen an. Als Zwischenstopp und um Geld zu sparen, zogen die Kinder und ich vorübergehend zu seiner Mutter. Und diesen Umzug haben wir zu dritt gemacht. Ein komplett eingerichteter Haushalt.

Was heißt zu dritt? Meine Freundin (passte am Tag des Hausratabtransports auf meine Mäuse auf), der Fahrer des Umzugs-LKW (half auch beim Beladen) und ich.

Ich habe sämtliche Kartons gepackt, Möbel auseinander gebaut, das Laminat rausgerissen (übrigens verlegt von mir und 2 Kolleg:innen), geputzt, Sperrmüll rausgebracht (inkl. Funktioncouch) etc.. Alles mit zwei kleinen Kindern, die selbstverständlich auch beschäftigt werden wollten.

Die letzte Nacht verbrachten die Kinder und ich in einer leeren Wohnung. Schlafend auf einer Decke, damit ich am nächsten Tag nicht mehr so viel Kram hatte.

Wie die Kids und ich dann letztendlich bei seiner Mutter ankamen, weiß ich nicht mehr. Aber es würde mich nicht wundern, wenn wir mit dem Zug gefahren wären.

Nach dem Ausladen des LKW, bei dem seine Mutter und seine Geschwister zum Glück halfen, wohnten die Kids und ich nun für ein paar Wochen dort, bevor es weiter nach Baden-Württemberg ging. Auf ein DORF. Und die Angst, die da in mir aufkam, bewahrheitete sich. Ich war wieder mal sehr allein.

Auf dem Dorf (schon wieder)

Beim Umzug hatten wir wieder die Hilfe seiner Familie. Dafür bin ich heute noch wahnsinnig dankbar. Der Rest des Einzuges war wie immer meine Sache. Streichen, Möbel aufbauen, Kartons leeren … und weiterhin zwei kleine Nasen.

In der Hoffnung, andere Menschen kennenzulernen, war ich mit den Kids oft draußen. Meist eine Kombi aus Spaziergang und Spielplatz. Aber wenn man in diesem Dorf mal jemanden gesehen hat, war das ein Wunder. Selbst der Kindergarten, in den meine Große nun ging, brachte mir keine Kontakte. Einzig eine Mama wagte sich einmal auf dem Spielplatz mit mir in ein Gespräch. Hätte vielleicht mehr draus werden können, wenn wir uns noch mal begegnet wären.

Auch der Versuch, im ansässigen Fitnessstudio mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, schlug fehl. Hatte mich da übrigens nur so halbfreiwillig angemeldet. Klar, ich war auch unzufrieden mit mir selbst, aber in erster Linie wollte ich für meinen Freund abnehmen. *Klatsch* *Klatsch* *Klatsch* geht just in diesem Moment meine Hand wieder gegen meine Stirn.

Ein anderer Ansatz war der 400€-Job beim Supermarkt. Da gab es sogar jemanden, mit dem ich mich recht gut verstanden habe, aber das war ein Mann. Und Männer durften mir schon lange nicht mehr, auch wenn nur freundschaftlich, zu nahe kommen. Könnte ja Ärger mit dem Freund geben.

Lange war ich nicht in diesem Job. Ich habe relativ schnell wieder gekündigt, weil das definitiv kein Job für mich war. War auch nicht so schlimm. Denn hey, was machten wir so gern und so oft? Richtig. Umziehen. Und nach ca. 9 Monaten hatte sich das Abenteuer Dorf wieder erledigt. Endlich ging es wieder in die Nähe einer Großstadt.
Back to Hanover.
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