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Mein Leben – Jahre des Kampfes -Teil 4-

Jahre des Kampfes
Hannover hatte mich wieder. Ok, der Speckgürtel von Hannover. Und das war, ohne das ich es anfangs ahnte, der Beginn meines neuen Lebens.

Der Umzug oder „same procedure as every time“

Natürlich zog er wieder vor. Er suchte eine zugegebenermaßen sehr schöne Wohnung für uns, aber der Rest blieb, wie eigentlich immer, an mir hängen. Also packte ich erneut Kartons, zerlegte Möbel und lebte mit den Kindern im Chaos. Diesmal hatten wir aber eine Umzugsfirma. So blieb mir das Schleppen erspart.

Am Umzugstag habe ich die Mitarbeiter der Umzugsfirma noch angewiesen und bin dann mit den Kids und „leichtem“ Gepäck (sofern das mit zwei Kindern möglich war) zum Bahnhof gestiefelt. Toll war noch, dass am Tag zuvor der Buggy kaputt ging und der Kleine mit seinen nicht mal 3 Jahren die Strecke zum Bahnhof ebenfalls laufen musste. Und der war nicht zwingend um die Ecke.

Unter Zeitdruck, vollgepackt und Kinder animierend ging es so schnell wie nur irgend möglich Richtung Bahnhof. Stellenweise quer übers Feld. Zum Glück haben wir den Zug noch erwischt.

In Braunschweig wurden wir dann von meinem Freund abgeholt und sind, wenn ich mich recht erinnere, für die Nacht zu seinen Eltern. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Hannover.

Der Umzugswagen kam in etwas Zeitgleich an, unser Zeug wurde uns in die Wohnung getragen und zack, war meine Aufgabe klar: Möbel aufbauen und Kartons auspacken. Allein. Wie gehabt.

Die nächsten Monate

Die nächsten Monate vergingen genauso wie immer. Ich war allein mit den Kids und er eigentlich nur zum Schlafen zu Hause.

2010, mein Sohn war nun mittlerweile 3 Jahre alt, meldete sich das Arbeitsamt bei mir. Ich solle nun langsam, aber sicher mal wieder was tun. Weil ich so lange zu Hause war, wurde ich erstmal in eine Maßnahme gesteckt. Bewerbungen schreiben und so was. Und so doof wie das klingen mag, es war das Beste was mir passieren konnte.

Ich war komplett abhängig von meinem Freund. Wirtschaftlich und emotional. Nie im Leben wäre ich allein da raus gekommen. Aber während der Maßnahme lernte ich Leute kennen. Ich hatte soziale Kontakte außerhalb meines Haushalts. Das war ungewohnt, aber schön.

Stärkende Menschen

Zwei Personen haben mir damals besonders geholfen.

Zum einen war es eine Dozentin. Als damalige Psychologie-Studentin hatte sie mich schnell durchschaut. Sie half mir zu sehen, dass ich immer noch einiges draufhabe und etwas wert bin. Denn alles was ich Tag für Tag tat, war entweder selbstverständlich oder nichts Besonderes für mich. Aber mal ehrlich: Den Wocheneinkauf für eine 4-köpfige Familie inkl. Getränke mit dem Fahrrad (ohne Anhänger) zu bestreiten ist nicht Nichts. Sie zeigte mir meine Stärken auf bzw. ließ mich diese selbst erkennen und so gewann ich etwas Selbstvertrauen und Selbstwert zurück.

Person 2 war ein Mitstreiter. Wir haben uns recht gut verstanden und irgendwann merkte ich, dass da für ihn mehr war, als nur zusammen die Maßnahme durchzustehen. Er gab mir das Gefühl, noch eine Frau zu sein. Nicht nur Hausfrau und Mutter, sondern einfach nur Frau. Attraktiv, interessant, noch lange nicht auf dem Abstellgleis, wie ich es lange Zeit dachte. Wir konnten gut miteinander reden und irgendwann verbrachten wir auch Zeit privat (wenn auch oft nur virtuell) miteinander.

Das Ende meiner Beziehung

11 Jahre hab ich mitgespielt. Habe mich 11 Jahre systematisch klein machen lassen. Natürlich habe ich in der Zeit auch öfter über Trennung nachgedacht, hatte aber immer „Gründe“, welche dagegensprachen. Zuerst war es „Ich liebe ihn doch so sehr.“. Darauf folgten „Die Kids brauchen doch ihren Vater.“ und „Aber ich mag doch seine Familie so.“ Alles überschattet von dem Gefühl, allein nicht mehr klarzukommen.

Eines Abends, als die Kids schliefen, saß ich vor dem PC und trieb mich in einem Spiel rum. Über ein PC-Programm unterhielt ich mich mit Person 2 aus der Maßnahme. Mein Freund kam nach Hause und (sicher nach einem kurzen Wortwechsel unsererseits) fing an mir Vorwürfe zu machen. Ich wolle ja gar nicht arbeiten gehen. Dazu sei gesagt, dass ich durchaus nach Jobs gesucht hatte, aber es mit zwei Kita-Kids nicht zwingend leicht war, etwas Passendes zu finden (ein paar Ansprüche hatte ich dann doch noch).

Ich war wie vom Donner gerührt. Ausgerechnet er traute sich mir solche Vorwürfe zu machen. Verwirrt, aufgelöst und mich als absoluten Versager fühlend, setze ich die Kopfhörer wieder auf und machte mir Luft bei Person 2. Keine Ahnung, ob und wenn ja, was er damals gesagt hatte, aber es löste eine Kurzschlussreaktion bei mir aus. Ich ging ins Schlafzimmer, in dem sich mein Freund aufhielt, schaute ihn an und sagte „Weißt du was, es ist aus. Es ist vorbei.“ Und er? Er belächelte mich.

Mir hingegen ging es fast super. Klar trauerte ich um die Zeit und das Ende einer so langen Beziehung. Aber als ich die Worte ausgesprochen hatte, fühlte ich mich das erste Mal seit Langem frei. Es war ein längst überfälliger Schritt gewesen und alles in mir feierte, dass ich diesen Schritt nun endlich gegangen war. Selbst Angst oder Sorge spürte ich in diesem Moment nicht. Nur unendliche Freiheit.

Die Zeit danach

Bis zu seinem Auszug dauerte es ein paar Monate. Das war soweit ok, war er doch weiterhin sehr selten zu Hause. Auch hat er mir in der Zeit gezeigt, was er wirklich von mir hält. Es war nicht wirklich viel. Das sorgte dafür, dass er mich unterschätzt hat.

So sperrte er mir z.B. das Internet. Nach dem zweiten oder dritten mal rief ich bei unserem Telefonanbieter an, weil ich es für eine Störung hielt. Der freundliche Mitarbeiter am Telefon allerdings meinte, alles sei in Ordnung. Vielleicht könne ich ja mal auf den Router zugreifen und nachschauen. Ok, ich war leicht überfordert damit. Hatte ja nie etwas damit zu tun. Aber der Herr am anderen Ende der Leitung half mir dadurch. Mach das, gib das ein und zu guter Letzt das Passwort. Passwort? Öhm … Hm, probiere ich mal das Standard-Passwort meines Ex. Und zack, war ich drin. Mit einem breiten Grinsen. Der Telefondienst-Mitarbeiter erklärte mir noch kurz, was ich einstellen musste und siehe da, ich hatte wieder Internet.

Den restlichen Abend verbrachte ich in meinem PC-Spiel und kurz vorm ins-Bett-gehen schaltete ich das Internet wieder aus. Ich weiß bis heute nicht, ob mein Ex das jemals rausgefunden hat.

Der Auszug

Mit den Kindern hatte ich schon gesprochen. Realisiert, dass Mama und Papa sich getrennt hatten, haben sie aber erst, als er endgültig ausgezogen war. Auch keine leichte Zeit. Zumal er sie, trotzdem er noch in der Nähe wohnte, recht selten besucht oder gar übers Wochenende geholt hatte.

Mir allerdings ging es um Längen besser. Meine Energie kehrte zurück. Mein Lebenswille. Denn der war fast dahin. Mir ging es in der Zeit vor der Trennung so schlecht, dass einzig und allein der Gedanke an meine Kinder mich hat weiterleben lassen.

Einmal hatte ich mich getraut, ihm zu sagen, wie es mir geht. Ich hatte viel über Burnout gelesen und hab mich in vielen Dingen wiedergefunden. So ging ich (noch während unserer Beziehung) zu ihm und meinte, ich hätte den Verdacht, ich könnte in ein Burnout rutschen. Seine Antwort: Das gibt es nicht. Booom, und wieder abgeschmettert.

Burnout mag ja keine eine eigenständige Krankheit sein. Dennoch, jemandem diesem Zustand komplett abzusprechen und eiskalt zu sagen, das gibt es nicht, geht gar nicht. Menschen fühlen sich ausgebrannt und erschöpft. Sind physisch und psychisch am Ende. Und Burnout gibt dem Kind einen Namen. Damit kann man an die Heilung gehen und fühlt sich vielleicht irgendwann nicht mehr als Komplettversager, weil man mit sich und dem Leben gerade nicht klarkommt.

Ach ja, kleine Anekdote am Rande: Jahre später sagte er zu mir, er hätte ein Burnout. Mein Gedanke war nur, wie das gehen soll, wenn es das doch gar nicht gibt, aber ich hielt brav meine Klappe.

Aufwärts?

Nach der Trennung und seinem Auszug fand ich langsam wieder zu mir selbst. Ich hatte sogar sowas wie Dates. Aber der Schmerz der gerade beendeten Beziehung saß tief. Und so wollte ich nichts Neues und nichts Festes. Ich wollte mich eigentlich nur mit Leuten treffen. So kam es auch, dass ich mich ab Frühjahr 2011 viel mit zwei Bekannten und deren Kindern im Park traf. War eine schöne Zeit. Das einzige Problem war zu der Zeit eigentlich (wie immer) das liebe Geld.

Mittlerweile hatte ich einen 400€-Job, erhielt Kindergeld und sogar Unterhalt vom Kindsvater. Der Rest wurde aufgestockt. Und damit konnte man eigentlich recht gut leben, aber die Wohnung war einfach zu groß und zu teuer für uns drei. Dennoch sah ich darin kein Problem und schaute mich nach einer kleineren Wohnung um.

Die Wohnungssuche gestaltete sich recht schwierig. Aus dem Ort wollte ich nicht mehr weg. Der Kinder wegen. Alleinerziehend und vom Amt abhängig machte die Sache auch nicht leichter. Aber irgendwann hatte ich Glück und wir zogen um. Ein paar Straßen weiter. Dass der Vermieter da etwas eigenartige Ansichten hatte und die Nebenkostennachzahlungen grundsätzlich explodierten, durfte ich dann im Laufe der Jahre dort erfahren. Und wieder ein zusätzlicher Stressfaktor.

Was den Umzug anbelangt, war, was meinen Ex betrifft, eigentlich alles wie immer. Sie macht das schon. Aber etwas Hilfe hatte ich diesmal (außer das Umzugsunternehmen). Und diese Geschichte „endet“ mit einem Ring an meinem Finger.
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