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Mein Leben – Jahre des Kampfes -Teil 5-

Jahre des Kampfes
Da war er, der neue Mann in meinem Leben. Ungeplant und etwas zu früh. Und mit eigenem Gepäck aus der Vergangenheit. Und wir schleppen auch heute noch den ein oder anderen Koffer.

Neue, alte Kontakte

Da war ich nun. Frei und ungebunden und dank der Möglichkeiten des Internets in der Lage, alte Bekanntschaften wiederzubeleben. Vielen Dank an Marc Zuckerberg 😉

Mal wurde ich von jemandem angeschrieben, mal hab ich jemanden angeschrieben. Und egal ob männlich oder weiblich, es war so schön unverkrampft. So kam es auch, dass ich mit einem ehemaligen Schulkameraden schrieb (ok, es waren mehrere, aber es geht hier nur um den einen).

Standardmäßig ging es los mit „Wie geht’s dir?“ und „Was machst du so?“. Beide frisch getrennt mit jeweils zwei Kindern und interessiert an jemandem. Er teilte mir seine aktuelle Geschichte mit, ich ihm meine. Wir haben uns noch gegenseitig Tipps gegeben. Alles locker und entspannt. Dieses hin- und her schreiben zog sich dann auch über ein paar Wochen.

Besuch

Juni 2011. Mein 30ster Geburtstag. Meine Kids und ich. Es war vielleicht nicht so, wie man sich den 30sten vorstellt, aber trotzdem schön.
Am Abend schrieb ich wieder mit ihm und erzählte ihm von meinem Tag. Da hatte er Mitleid und wollte noch vorbeikommen. Aber das hätte er an meinem Geburtstag nicht mehr geschafft. Dazu wohnte er zu weit weg. Wir verabredeten uns allerdings für das Wochenende darauf.

Ich gebe zu, ich war etwas aufgeregt. Hatte ich ihn doch über 12 Jahre nicht gesehen. Betonen möchte ich aber, dass ich auch hier noch keineswegs auf eine neue und feste Beziehung aus war. Für mich war dieser Besuch nur der, eines alten Schulfreundes.
Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich dir Tür aufmachte. Klar, ich hatte Fotos von ihm gesehen und fand (und finde) ihn gutaussehend. Aber der Moment, wo ich die Tür öffnete, veränderte einiges. Ab diesem Moment war ich hin und weg. Und mein erster Gedanke diese Gefühle betreffend: Scheiße.

Beziehung ja / nein?

Wir verbrachten einen schönen Samstag miteinander (die Kids waren ausnahmsweise mal bei ihrem Vater) und Sonntagmittag fuhr er wieder. Die Woche über schrieben wir und er wollte unbedingt wiederkommen. Warum nicht, dachte ich. Er tat mir gut. Und so schrieben wir weiterhin und er kam mich bzw. dann auch uns, immer wieder besuchen. So entwickelte sich etwas zwischen uns, was ich nicht wahrhaben wollte. Und ich versuchte mit aller Kraft sämtliche Gefühle für ihn zu unterdrücken. Ich wollte mich nicht wieder verlieren. Wollte keine Beziehung. Dabei steckte ich schon wieder mittendrin.

Dann kam der Tag, den ich gefürchtet hatte. Er stellte die Frage, was das zwischen und nun sei. Es gab nun meinerseits zwei Möglichkeiten. Es weiter locker laufen lassen und ihn verlieren oder aber die Beziehungsschiene zu wählen. So entschied ich mich für die Beziehung. Es war eine gute Entscheidung, die allerdings wieder andere Probleme mit sich brachte. Doch trotz aller Probleme sind wir mittlerweile seit 7 ½ Jahren verheiratet.

Ex-Partner

Wir haben beide Kinder und können uns so natürlich nicht so einfach von unseren Ex-Partnern lösen.

Mittlerweile können mein Ex und ich einigermaßen gut miteinander umgehen. Aber was die letzten Jahre so abging, gerade was die Kinder betraf, ist einfach nur traurig. Vielleicht schreibe ich noch ausführlicher darüber, vielleicht auch nicht. Gerade fühle ich mich nicht dazu in der Lage.

Mit der Ex-Frau meines Mannes haben wir auch einiges durchzustehen. Aber auch darauf werde ich nicht genauer eingehen. Was ich dazu noch sagen kann ist, dass uns unsere beiden Ex-Partner das Leben ziemlich erschwert haben. Einfachste Dinge wurden aufgebauscht oder nicht getan. Aber die Kinder werden älter und bald kehrt hoffentlich auch hier Ruhe ein.

Endlich Arbeit

Mein damaliger 400€-Job war nicht unbedingt die Erfüllung. So war ich am Ende des Öfteren krank und wurde letztendlich, nachdem ich ca. ein Jahr dort gearbeitet hatte, gekündigt. Und das war mehr als ok für mich. Nun hieß es aber wieder bewerben.

Ein halbes Jahr später trat ich meinen neuen Job an. Nicht ideal, nicht das, was ich wollte, aber immerhin Arbeit. Die erste Zeit war es auch mehr ein Durchbeißen. Doch dann änderte sich die Ausrichtung der Firma und damit mein Aufgabenbereich und plötzlich fing es an, mir richtig Spaß zu machen. Mit dem Chef kam ich gut klar und später arbeitete dann noch eine Bekannte mit in der Firma, mit der ich soweit auch gut zurecht kam.

Wie überall im Leben gab es aber auch hier Veränderungen. Es war nicht nur das Pensum, was immer und immer mehr wurde. Auch mein Chef hatte sich, zumindest in seinen Anforderungen, extrem gedreht. Was heute noch richtig war, war morgen falsch. Was wir heute so machten, sollte morgen schon ganz anders sein. Zu allem Überfluss wurde meine Kollegin dann auch noch schwanger. Sie hat ihr Bestes gegeben, uns weiterhin zu unterstützen, aber das (gefühlte) Chaos wurde immer größer. So groß, dass ich an manchen Tagen auf Arbeit fuhr und überlegte, wo der nächste Baum ist und wie schnell ich beim dagegen fahren sein müsste.

Zusammenbruch

Es war der 28.10.2019. Mir ging es nicht gut. Zum Glück auch körperlich, denn sonst wäre ich weiterhin arbeiten gegangen. So ging ich zum Arzt und ließ mich krankschreiben. Nach einer Woche zu Hause wollte ich montags wieder ins Büro. Aufstehen, duschen, Zähne putzen, anziehen, das alles fiel mir schon seit Wochen sehr schwer. Diesen Montag war es noch schlimmer. Aber ich schaffte es ins Auto und fuhr los. Schon auf dem Weg liefen mir die Tränen. Ich wollte da nicht hin. Im Büro angekommen brachen dann alle Dämme. Ich kehrte direkt wieder um und fuhr nach Hause.

Meine Hausärztin war sehr verständnisvoll und schrieb mich wieder krank. Im Januar 2020 hat sie mich dann an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seitdem bin ich zu Hause.

Mittlerweile existiert auch mein Job nicht mehr. Und das ist für mich auch gut so. Wenn ich immer noch den Gedanken hätte, ich müsste da wieder hin … nein, das wäre echt nicht gut für mich.

Auf und ab

Seitdem ist viel passiert.

In den ersten Wochen zu Hause konnte ich mich langsam wieder erholen und ein Stück weit zurück ins Leben finden. Mir fiel meine Leidenschaft für die Fotografie wieder ein. Also habe ich mich regelrecht dazu gezwungen, damit wieder anzufangen. Gute Idee. Es gab mir Aufwind und sorgte dafür, dass ich mich besser fühlte.

Dann kamen der Lockdown und das Distanzlernen. Bis wir unseren Weg gefunden hatten, gerade mein Sohn und ich, das hat gedauert. Und es war kräftezehrend. Ganz allein lassen konnte ich ihn nicht. Er war überfordert. Mit ihm lernen überforderte mich. Auch, weil ich nicht zu den geduldigsten Menschen gehöre. Doch irgendwann und irgendwie haben wir eine Lösung gefunden, mit der wir beide leben konnten.

Therapie

Im Oktober 2020 begann ich nach langer Suche nach einem Platz endlich eine Therapie. Eine Verhaltenstherapie. Online. Das hatte Vor- und Nachteile. Ich musste nicht los. Musste mich nicht stressen, irgendwo hinzukommen. Wollte ich doch eh den ganzen Tag am liebsten zu Hause sein. Auch die bereitgestellten Materialien waren gut. Ich habe viel gelernt und ein bisschen für mich mitnehmen können. Dennoch hat der persönliche Kontakt etwas gefehlt. Mit der Mattscheibe dazwischen geht einiges verloren. Ein Stück weit geholfen hat es dennoch. Wenn auch nur ein kleines Stück.

Das war übrigens meine zweite Therapie. 2011 hatte ich schon eine Gesprächstherapie gemacht. Der Anfang des innerlichen Aufräumens.

Reha

2021 war ich 7 Wochen ambulant in Reha. Eine Maßnahme, von der ich mir sehr viel erhoffte. Rehas können super sein. Einer Freundin von mir hat ihre sehr geholfen. Meine zerstörte mich eher wieder.

Für die Psyche

Die Gruppengespräche fand ich gut. Dort konnte man einen Einblick gewinnen, wie andere Menschen Dinge sehen und anpacken und wo ihre Schwierigkeiten liegen. Ich persönlich konnte immer etwas draus mitnehmen. Die Gruppengespräche fanden nur zweimal die Woche statt. Einmal in einer kleinen und einmal in einer großen Gruppe.

Einmal die Woche gab es ein Einzelgespräch. Meine Therapeutin war in Ordnung, aber die angesetzte Zeit für die Gespräche war meines Erachtens zu kurz. Überhaupt kam mir die psychische Seite der Reha zu kurz. Und das bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Für den Körper

Dieses Reha-Zentrum war auch sehr auf Sport ausgerichtet. Zwar gab es auch Entspannungskurse bzw. -anwendungen, aber der Großteil bestand aus Sport. Für mich der totale Horror. Besonders, wenn es um Sportarten oder Übungen geht, mit denen man rein gar nichts anfangen kann. Ich verstehe, dass Sport auch der Psyche helfen kann, aber dann braucht man etwas, was Spaß macht. Nicht etwas, das einen nicht überfordert.

Für den Beruf

Die Sozial-/Berufsberatung da war in zwei Terminen abgehakt. In einem davon bin ich hilflos und verzweifelt zusammengebrochen. Wirklich thematisiert wurde das aber leider nicht weiter. Schade, denn das war und ist ein Thema, was mich noch ungemein belastet. Ich hatte mir mehr davon versprochen. Mittlerweile habe ich aber einen groben Plan.

Planung

Das nächste war die Planung. Die Anfangszeiten variierten und die Pausen zwischen den Terminen auch. So konnten es mal 5 Minuten sein oder aber auch mal 2 Stunden. Es wurde einiges an Flexibilität abverlangt, die ich nicht aufbringen konnte. Mich hat das eher gestresst.

In den letzten zwei Wochen hatte ich dann weniger Termine. Ich konnte wohl irgendwie klar machen, dass mich das Ganze überlastete.

Reha-Fazit

Bestimmt gibt es Menschen, für die deren Ansatz genau der Richtige ist. Ich gehöre nicht dazu.

In den Monaten davor habe ich einige Dinge für mich entdeckt, die mir guttaten. Fotografie, basteln, (aus-)malen. Also kreative Sachen. Und mit Reha-Beginn hatte ich dafür entweder keine Zeit oder keine Kraft oder beides. „Tu dir was Gutes“ fiel also wieder hinten runter.

Heute

Was war ich demnach froh, als die Reha beendet war. Seitdem habe ich aber wieder mehr zu kämpfen. Morgenroutine, Abendroutine und der Zeitraum dazwischen überfordern mich gern immer mal wieder. An manchen Tagen habe ich mehr zu kämpfen, an anderen weniger.

Was mir die letzten zwei Jahre allerdings gebracht haben, ist ein Zugang zu mir selbst. Ich weiß in groben Zügen, was ich will und was ich nicht will. Deshalb habe ich 2021 auch ein Fernstudium zur Fotodesignerin gemacht. Ich möchte kreativ tätig sein. Möchte Menschen mit meinen Bildern erfreuen. Das zu meinem Beruf zu machen, daran arbeite ich gerade.

Und dann habe ich seit neuestem ja noch diesem Blog.
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