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Das Loch – Die vier Phasen meiner Depression

depressive Episode - Phasen meiner Depression
Keine Depression ist wie die andere und Betroffene erleben sie unterschiedlich. Hier möchte ich dir die Phasen meiner Depression vorstellen.

Depressive Episode

So lautet der Fachbegriff. Bei mir scheint das Wort Episode aber irreführend zu sein. Impliziert es doch ein Ende oder zumindest eine Pause zwischen der einen und der nächsten. Also, wenn ich mal eine Pause hatte, dann am allerwahrscheinlichsten 2011. Davor und danach würde ich als lange Episode mit verschiedenen Phasen bezeichnen.

Die Phasen meiner Depression habe ich in 4 Phasen unterteilt. Diese folgen aber nicht zwingend einem Schema. So kann 4 auf 2 folgen oder auch 1 auf 3. So ganz habe ich mich und meine Depression da noch nicht verstanden.

Das Loch

Irgendwann kam der Tag, an dem ich erklären konnte, wie es mir geht. Oft wird eine Depression als „Schwarzer Hund“ bezeichnet. Oder es wird eine graue Wolke zur Erklärung genutzt. Mit dem Hund kann ich persönlich so gar nichts anfangen. Die Wolke ist schon eher etwas. Zumindest auf der Gefühlsebene. So puffert sie doch Empfindungen und Eindrücke von außen ab. Lässt weder gute noch schlechte Emotionen rein. Umnachtet einen ein wenig oder ein wenig mehr. Aber Wolken sind eigentlich so fluffig und leicht. Und das ist das Leben mit Depression nun nicht so wirklich.

Da kommt das Loch ins Spiel. Stell dir vor, du gehst über eine grüne Wiese. Du erfreust dich an der Sonne, den Blumen und dem Gras. Alles ist schön und plötzlich fällst du in ein tiefes Loch. Und da allein wieder rauszukommen, ist ein unglaublicher Kraftakt.

Zur Verdeutlichung hier die vier Phasen meiner Depression.

Phase 1 – Am Boden

depressive Episode - Phasen meiner Depression

Die schlimmste Phase. Nichts geht mehr. Ich sitze am Boden des Lochs und habe weder Pläne noch Hoffnungen, da jemals wieder rauszukommen. Egal ob mit oder ohne Hilfe. Hier tauchen bei mir auch die Selbstmordgedanken auf.

Alltag

Absolut erschöpft und müde. Aufstehen fällt unsagbar schwer. Duschen, Zähne putzen sind unfassbar lästig. Am liebsten würde ich mich entweder wieder zurück ins Bett verziehen oder aber auf die Couch vor den Fernseher. Eine Serie nach der anderen. Einfach berieseln lassen, damit das Hirn keine Achterbahn fährt. Haushalt, Mann, Verpflichtungen und Hobbies, das alles ist uninteressant. Nur Alleinsein und Kopf aus. Irgendwie.

Gefühle

Leere. Es ist leer in mir. Die Sonne scheint und ich weiß, ich mag das, aber ich fühle nichts. Ich sehe meine Kinder und meinen Mann an und weiß, dass ich sie liebe. Doch ich fühle nichts. In anderen Situationen ist es das gleiche. Dazu kommen innere Unruhe, die nur etwas abklingt, wenn ich allein und abgelenkt bin (Thema binge watching) und Gereiztheit, gepaart bin totaler Überforderung.

In dieser Phase war ich mehrfach. Jeder Tag war schwer. Doch eine Sache hat dafür gesorgt, dass ich nicht durch das Loch im Loch gerutscht bin: meine Kinder. Die Verantwortung ihnen gegenüber und die Sorge darüber, was aus ihnen werden würde, wäre ich nicht mehr da, überwogen und ließen mich irgendwie weitermachen. Mehr schlecht als recht, aber weiter.

Diese Phase ist jetzt schon einige Zeit nicht mehr aufgetreten und dafür bin ich sehr dankbar.

Phase 2 – Am Rand hängend

depressive Episode - Phasen meiner Depression

Ich hänge mit meinen Händen am Rand. Kämpfe darum, nicht wieder abzustürzen. Im Bett bleiben oder auf der Couch sind immer noch die gewünschten Optionen.

Alltag

Erschöpfung und Müdigkeit sind noch stark vorhanden. Es ist weiterhin alles wahnsinnig schwer, aber leichter als in Phase 1. Aber nur, wenn alles nach Plan läuft. Routinen müssen funktionieren. Alles, was diese Routinen unterbricht versetzt mich in Schockstarre. Ich weiß dann weder vor noch zurück. Spontanität ist mein Feind. Sie ist ein No-Go. Alles muss geplant sein. Unvorhergesehene Ereignisse darf es nicht geben. Plötzlich irgendwas klären oder irgendwo hinfahren fordert mich nicht nur heraus, es stresst mich massiv.

Auch Entscheidungen kann ich nicht fällen. Was essen wir? Was machen wir? Ich habe keine Ahnung. In mir blockiert es komplett. Das geht so weit, dass mein Mann mich im Supermarkt vor dem Regal fragt, das oder das und ich anfange zu weinen.

Gefühle

Es ist nicht mehr ganz so leer. Die Mauer um mich rum hat Risse. Wenn auch nur kurz und schwach und kopflastig, kann ich mich über kleine Dinge freuen. Ein schöner Sonnenuntergang oder die ersten Blumen des Frühjahrs zum Beispiel. Die innere Unruhe ist immer noch da. Da ist es wie in Phase 1. Auch die Überforderung ist geblieben. Dazu kommt noch Traurigkeit. Wo die herkommt und warum, weiß ich nicht.

In dieser Phase brauche ich Struktur, an der ich mich entlanghangeln kann. Denn ich bin ja gerade vollauf damit beschäftigt, nicht wieder zu fallen.

Es war auch in dieser Phase, in der ich mir 2019 sagte: Komm, die Fotografie hat dir doch immer Spaß gemacht, mach das doch mal wieder. Und so gaben mir selbst auferlegter Zwang und die Wiederentdeckung meiner Leidenschaft Kraft für den Übergang in Phase 3.

Phase 3 – Abstützen

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In der dritten Phase meiner Depression habe ich es geschafft, dass ich mich mit meinen aufgelegten Armen am Rand des Lochs halte. Ich halte mich da recht sicher und kann verschnaufen. Angenehm ist es noch nicht, aber entspannter machbar.

Alltag

Aufstehen fällt schwer (wie immer eigentlich). Duschen und Zähneputzen nerven, aber mit freundlichen Worten von mir an mich geht das schon. Zumindest die Morgenroutine ist superwichtig für mich.

Der Rest des Tages sollte halbwegs strukturiert sein. Mittlerweile bin ich aber wieder so flexibel, dass ich auch auf Unvorhergesehenes gut reagieren kann. Selbst wenn es mich noch in Schockstarre versetzt, so bin ich da doch schnell wieder draußen und kann nach Lösungen schauen. Entscheidungen treffen ist möglich, gern lasse ich sie mir aber (wenn ich damit einverstanden bin 😉) abnehmen. Erschöpfung und Müdigkeit sind erträglich. Aber ich brauche viele Pausen und Zeit zum Ausruhen.

Gefühle

Ich kann wieder etwas leisten. Daher muss ich das auch tun. Hab ja viel zu lange auf der faulen Haut gelegen. Ja, doofe Gedanken, ich weiß. Daraus resultieren Druck, Anspannung und Angst. Die Angst zu versagen und die Angst, mich wieder aus den Augen zu verlieren und erneut abzustürzen. Es ist ein Teufelskreis. Hier suche ich noch nach einer Lösung für mich.

Ansonsten schaffe ich es tatsächlich ab und zu mich zu entspannen. Beim Essen mit meiner Familie beispielsweise. Wenn wir uns währenddessen und nach dem Essen unterhalten, dann fahre ich runter. Gut, unsere Tischgespräche darf manchmal echt keiner hören, aber das ist ja egal. Hauptsache ist, dass es uns guttut. Und ich kann es genießen. Ich bin in der Lage die schönen Momente des Tages zu sehen, anzuerkennen und mich darüber zu freuen. Kurz zumindest und meist eher vom Kopf her.

In dieser Phase befinde ich mich die meiste Zeit.

Phase 4 – Fast draußen

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Fast habe ich es geschafft. Beinahe habe ich das Loch verlassen. Ich bin ganz nah dran. Meine ausgestreckten Arme stützen sich ab. Ich muss nur noch die Beine nachziehen. Das hat aber bisher noch nicht geklappt.

Alltag

Erschöpfung ist nur noch stellenweise spürbar. Mal mehr und mal weniger. Genauso wie die Müdigkeit. Man könnte sogar sagen, ich bin wach (was ich eigentlich nie von mir behaupten kann). Der Alltag geht mir somit leicht von der Hand. Was ich mir vornehme, erledige ich. Sollte ich doch etwas verschieben müssen, weil plötzlich etwas anderes Priorität hat, ist das ok. Stress ist meist positiv. Entspannung gelingt. Herausforderungen oder Rückschläge werden bewältigt oder in die Tasche gesteckt.

Gefühle

Hier ist es noch wolkig. Die negativen Gefühle sind da, aber auszuhalten. Es gelingt mir noch besser als in Phase 3, mich auf das Positive zu konzentrieren. Das Positive will jedoch noch nicht so ganz zu mir durchdringen. Freude, Liebe etc. kommen meistens noch nicht „ganz unten“ an. Sie kratzen an der Oberfläche und sind sehr flüchtig. Aber ich nehme sie bewusst wahr und versuche sie zuzulassen.

Diese Phase ist noch sehr selten.

Hoffen auf Phase 5

Ja, ich habe vier Phasen geschrieben. Weil ich auch nur die wirklich kenne. Phase 5 ist meine Hoffnung. Die Hoffnung, irgendwann das Loch zu verlassen und wieder auf der Wiese spazieren zu gehen. Rumzutollen, zu lachen, Spaß zu haben und das Leben zu genießen, ohne Angst vor dem Loch.

Zurzeit schwanke ich zwischen 2 und 3. Meistens befinde ich mich, wie schon erwähnt, in Phase 3. Das ist ok und ich kann mittlerweile wahrnehmen, annehmen und einigermaßen damit umgehen. Und eben hoffen auf Phase 5.

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Auch eBooks gibt es zum Thema. Hier eins von Peer Worms. Im Buch vermittlt er dir seine umfangreichen Erfahrungen, wie du aus der Depression schneller wieder herauskommen kannst.
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